Archive for November, 2007

Michael Maier

Journalist
geboren in Klagenfurt
in Graz studiert
lebt in Berlin

Bevor er zum Auslands-Grazer wurde, war der Journalist und Medienmacher Michael Maier Auslands-Kärntner. In Berlin lebt er nun schon seit einigen Jahren, ein Lehrauftrag bringt ihn seit nunmehr vier Jahren in die Stadt zurück, in der er einst studiert hat.

„Geboren wurde ich in Kärnten, vor vielen hundert Jahren ungefähr, studiert habe ich in Graz. Insofern freue ich mich, dass ich unter die Grazer falle, wobei meine Mutter auch aus Graz gestammt hat. Nach Graz folgten verschiedene Stationen im Bereich Zeitungsdesign in den USA. Dann war bei der Kärntner Kirchenzeitung, bei der Presse in Wien, bei Berliner Zeitung, beim Stern, ein Jahr in Jerusalem. Ich habe dann die Netzeitung gegründet, sie durch schwierige, am Ende durch gute Zeiten geführt und schließlich mein jetziges Unternehmen gegründet, Blogform ¬ eine Gesellschaft, die sich mit modernen Medienformen im Internet beschäftigt. Die letzten paar Monate war ich in Cambridge an der Harvard University und habe dort zum Thema Bürgerjournalismus geforscht, Citizen Journalism.
Seit einigen Jahren habe ich einen Lehrauftrag an der FH Joanneum, wo ich Journalisten unterrichte.

Graz habe immer in bester Erinnerung und ich fahre auch immer gerne hin. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass der Studiengang nach Kapfenberg verlegt werden soll. Dass das vom Tisch ist, beruhigt mich sehr. Ich habe jetzt nichts gegen Kapfenberg, aber Graz ist so eine vitale, interessante aber ebenso unaufgeregte Stadt.
Was mich in Graz immer sehr beeindruckt hat, waren diese Dinge im Bereich neue Kunst. Der steirische herbst und all die Aktivitäten zur Kulturhauptstadt. Diese Bereitschaft, das Zeitgenössische plakativ hinzusetzen, finde ich toll.“

Michael Maier lebt mit seiner Familie in Berlin, gewisse Dinge, die er aus Graz mitgebracht hat, gibt er an seine Kinder weiter.
„Ich habe ja fünf Kinder und der kleinste ist jetzt fünf Jahre alt. Und schon meinem Ältesten, der ist jetzt 21 Jahre alt, habe ich seinerzeit meine Kleinbahn, eine Modellbahn, vererbt. Die gabs früher in dieser Straße, die vom Bahnhof wegführt. Man sagt: Eigentlich ist es eh wurscht, wo man hinfährt ¬ ob nach Prag oder nach Chicago oder sonst wohin ¬ man endet immer in den gleichen Geschäften. Diese Kleinbahn hat mir immer sehr gefallen, denn die war ein österreichisches Unikat, das sich nicht von den Deutschen hat vereinnahmen lassen. Und ich habe beim letzten Grazbesuch mit Schrecken festgestellt, dass der Kleinbahnladen zugemacht hat.
Und im übertragenen Sinne habe ich mitgenommen… eine Mischung aus allen Dingen, die mir wichtig sind: Die Musik, die Kunst, die netten Leute, das gute Essen. Das alles aber nicht in so einer spießigen Beschaulichkeit. Das ist für mich eine Mischung von Weltoffenheit und den österreichischen Vorzügen der Lebensqualität, die mir in Erinnerung geblieben ist.“

Graz, eine Erinnerung

„Meine Mutter stammt ja aus Graz und später zog sie in die Voitsberger Gegend. In Voitsberg haben wir dann unsere Sommer zugebracht. Für mich als Kind, das aus den Kärntner Bergen kommt, war Graz der Inbegriff der Weltstadt. Da gab es große Häuser, große Straßen. Damals habe ich gedacht: Damit die Welt in Ordnung ist, muss Graz in Kärnten liegen. Heute bin ich eigentlich ganz froh, dass Graz nicht in Kärnten liegt.

Sieben, acht Jahre liegen zwischen dem letzten und dann wieder ersten Grazbesuch. Denn dann kam der Lehrauftrag.
Im Vergleich zu Kärnten fehlt Graz überhaupt nichts. Ehrlich gesagt: Ein Land, das Jörg Haider noch immer als mehrheitsfähig betrachtet, nach alldem, was da passiert ist, das finde ich wirklich ganz grauenvoll. Das kann auch keine landschaftliche Schönheit kaschieren.

Graz heute

Ich komme wahnsinnig viel herum, auch in mittleren, kleinen deutschen Städten. Wenn man jetzt, um irgendeine Stadt zu nennen, Nürnberg oder Münster oder Bremen nimmt, dann sind diese Städte eigentlich sehr multiethnisch geworden und ist Normalität geworden. In Graz ist mir aufgefallen, dass das nicht so der Fall ist. Meine Beobachtung ist subjektiv, aber ich habe das ein paar Mal erlebt: Es gibt ein paar Schwarzafrikaner, die am Hauptplatz Zeitungen verkaufen. Ich habe mich einmal hingestellt und die Leute beobachtet. Das war schon komisch. Die eingefleischten Grazer waren ihnen gegenüber zwar nicht aggressiv feindselig, aber doch ausgrenzend. Man konnte das spüren. Das ist wie gesagt eine subjektive Beobachtung. Umgekehrt, um ein positives Beispiel zu nennen, bin ich bei meinem letzten Besuch entgegen aller Warnungen in die Grazer Oper gegangen. Man hat mich gewarnt, keinesfalls in die Grazer Oper zu gehen. Tiefste Provinz! und ganz schrecklich!, wurde mir gesagt. Und als ich dann dort war, war ich richtig baff. Ich habe eine phantastische, ganz moderne Inszenierung von Rigoletto gesehen. Ich hab in meiner Studienzeit im Chor der Grazer Oper gesungen. Und wenn ich nachdenke, was sich seither getan hat! Ich war echt beeindruckt.“

Und doch hat es den Medien-Mann in die Ferne gezogen
„Ich glaube nicht, dass man aus Graz weg muss. Ich bin ja deswegen weggegangen, weil ich mich wahnsinnig dafür interessiert habe, was es sonst noch gibt. Meine jetzige Firma hat ihren Sitz in Oslo. Als ich noch in Kärnten war, habe ich Graz immer als liberal und angenehm empfunden. Doch die Einladung nach Berlin zu gehen und eine ehemals kommunistische Zeitung in eine moderne umzubauen, da gab es nichts, das mich hätte abhalten können.“

Clemens Krauss