Archive for April, 2007

Anna Katharina Laggner - Selbstportrait

Selbstdefinitionen haben eine Schlagseite in Richtung Hochstapelei. Gerade weil es um Graz geht, soll der Kahn ins Lot gebracht werden. Nicht ins Trockene.

Anna Katharina Laggner

Herbst 2001: mit und trotz eines universitären Diploms war ich als Vertreterin einer Steiermarkmappe zu 1500 Schilling an Volksschulen in der Umgebung von Graz unterwegs. Ich habe in sechs Wochen 2000 Schilling verdient. In dieser kurzen Zeit habe ich in einer Vogelhaussiedlung in St. Peter gewohnt. Sofern die Notwendigkeit besteht, Graz fluchtartig zu verlassen, wählen viele Wien. Auch da bin ich nichts Besonderes.
In Wien habe ich als Gästefahrerin für ein Festival angeheuert und in dieser Funktion zunächst derart verschlafen, dass man im Krankenhaus angerufen hat. Kurze Zeit später habe ich bei einer Filmproduktion gar nichts gemacht, sondern bin im Büro, wo ein Bär mit aufgerissenem Maul am Boden lag, hinter einem Computer gesessen. Ich habe so sehr gar nichts gemacht, dass man mich eines Abends eingesperrt hat.
Vor zwei Jahren habe ich mit meinen Schwestern das Netzwerk und Aktionslabel kennwort:bergstation gegründet. Seitdem versuchen wir online zu gehen. Immerhin: beim Schild kennwort:bergstation muss man läuten, will man mich besuchen.
Ich kann nicht ohne NIEOHNESEIFEWASCHEN die Himmelsrichtungen benennen, muss lange überlegen, welches das rechte und welches das linke Murufer ist und ich war noch nie in Bratislava.
Wieder eine Selbstbeschreibung mit Schlagseite. Andere existieren nicht. Man sieht mehr, wenn man meine Texte liest, man sieht sogar mehr von mir, wenn man mich im Radio hört.

Wolfgang Haas - Selbstportrait