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		<title>Dorit Chrysler</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jan 2008 17:47:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>maria</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maria Motter]]></category>

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		<description><![CDATA[geboren in Graz lebt in New York Sängerin, Musikerin, Komponistin doritchrysler.com Wenn Dorit Chrysler aus dem Fenster schaut, sieht sie einen Hinterhof in Kopenhagen. „In diesem Jahr hatte ich so gut wie keinen All-Tag“, erzählt sie. In den letzten Monaten hat Dorit Chrysler in Frankreich, Finnland, in Schweden und Australien gespielt, hat in Kanada beim [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>geboren in Graz<br />
lebt in New York<br />
Sängerin, Musikerin, Komponistin</p>
<p><a href="http://www.doritchrysler.com">doritchrysler.com</a></p>
<p>Wenn Dorit Chrysler aus dem Fenster schaut, sieht sie einen Hinterhof in Kopenhagen. „In diesem Jahr hatte ich so gut wie keinen All-Tag“, erzählt sie. In den letzten Monaten hat Dorit Chrysler in Frankreich, Finnland, in Schweden und Australien gespielt, hat in Kanada beim Ottowa Blues Festival gastiert und beim Electric Eclectics Festival, wo minimalistische elektronische Acts ebenso zu hören waren wie Alex Hacke von den Einstürzenden Neubauten.<br />
„Doch soweit ich mich erinnern kann, beginnt ein gewöhnlicher Tag in New York frühstückend und Zeitung lesend auf einer Bank in der Sonne im  Thomkins Square Park. Gefolgt von Besorgungen, einigen Stunden Musik, dann ein Dinner mit Freunden, gefolgt von einem Konzert.“<br />
Dorit Chrysler ist Sängerin, Musikerin, Komponistin – und sie beherrscht die Kunst des Theremin-Spiels.<br />
<img src="http://i10.photobucket.com/albums/a124/mademoisellemimi/Moog1.jpg" alt="" /><br />
Beigebracht hat sich Dorit Chrysler das <a href="http://netzspannung.org/learning/iswdh/theremines/">wunderbare</a>, älteste<br />
aller elektronischen Instrumente selbst.<br />
<img src="http://i10.photobucket.com/albums/a124/mademoisellemimi/Moog3.jpg" alt="" /><br />
„Ein guter Freund von mir ist so ein Meister des Analogen, der Trautonium, Ondes Martenot und all diese ersten elektronischen Instrumente des 20. Jahrhunderts  repariert und baut. Er ist so ein Bastler. Wir haben eine Single gemeinsam gemacht: „Schlager on Parade“, das ist meine Revanche am Schlagerbusiness. Und er hatte ein Theremin zuhause und hat mir das demonstriert. Es ist ein wahnsinnig faszinierendes Instrument. So ungewöhnlich und dramatisch mit einem so eigenartigen wunderschönen Klang. Es ist so schwer zu spielen, so verpönt und verlacht. Du musst wahnsinnig viel üben und kannst es trotzdem nicht beherrschen und dadurch hat es so etwas Berührendes. Es ist ein Windmühlenkampf, aber wenn du die Töne erwischt hast du so eine Freude. </p>
<p>Ich habe mich in dieses Instrument verliebt. Es war gerade das Ende meiner Rockband, ich habe alleine Musik auf den Computern gemacht. Die digitale Revolution – da habe ich zuhause auf meinen Computern an der nächsten Platte gearbeitet und mich da durch den Morast der Softwares gekämpft. Das Theremin war so etwas Organisches, Lebendiges und Liebreizendes. Ursprünglich habe ich gedacht, ich spiele nur ein bisschen damit herum in den Pausen, ein wenig meditativ. Es ist auch gut, wenn man mit geschlossenen Augen übt und nur versucht, einen Ton zu halten. Dann war ich überrascht, wie viele Möglichkeiten es bietet.“ </p>
<p>Vor kurzem hat Dorit Chrysler an der Sibelius-Akademie in Helsinki das bizarr-schöne Instrument Studenten nähergebracht. Doch schließlich sei es wie mit der Violine: Jeder muss seine eigene Technik entwickeln. Jeder hat eine eigene natürliche Position, wie man die Hand ruhig hält. Und man braucht viel, viel Geduld.</p>
<p><img src="http://www.doritchrysler.com/images/photos/Photos07/Promonew/Paste.jpg" alt="(c) Mrs. Lee" /></p>
<p>&#8220;Ich wollte immer, immer Musik machen und von der Musik leben. Aufgewachsen im gutbürgerlichen Graz war das nicht unbedingt ein ersehnlicher Berufsstand für die Eltern, und generell habe ich relativ schnell erkannt, dass der Berufsstand als Musiker in Österreich bis zu einem gewissen Grad auch sehr dubios ist. Klassische Musik und dann Teil eines Orchesters zu sein geht vielleicht noch, aber ansonsten schien es nicht gut, zeitgenössische Musik zu machen, was immer da an Genres – Rock, Pop oder auch Jazz – interessant war. Hier in Österreich zu sein und Englisch zu singen &#8211; das kam mir schon mal ziemlich blöd vor. Und ich dachte mir: Wenn schon, denn schon. Dann muss man das anständig erlernen oder zumindest anständig Englisch können. So hat es sich aufs Gradewohl ergeben, dass ich mit achtzehn nach der Matura ein Jahr nach New York ging. Ursprünglich als Au-Pair, aber schon mit dem Hintergedanken, Musik zu machen. </p>
<p>Nach dem einen Jahr New York bin ich nach Wien, habe Musikwissenschaften studiert, weil es mir als Frau wichtig war, dass ich das auf Papier habe, einen Titel habe. Aus rein emanzipatorischen Gründen fand ich es wichtig, Schwarz auf Weiß eine Erziehung nachweisen zu können. Sobald das erledigt war bin ich sofort wieder zurück nach New York gegangen. Das war wirklich eine Befreiung vom Gesellschaftsdruck hier in Österreich. Das ist keine Kritik an Österreich, sondern mein eigenes Problem, dass ich mich einfach hier nicht so frei gefühlt habe.&#8221;<br />
<img src="http://www.doritchrysler.com/images/photos/Photos07/live/Lawnchairs.jpg" alt="Lawnchairs. Owen Sounds, Canada (c) Dorit Chrysler." /></p>
<p>&#8220;In New York war hinter mir die Sintflut, da war diese Distanz zu den Gesellschaftsregeln dort. Und das war einfach wahnsinnig inspirierend, gleichzeitig auch beängstigend und dann auch eine dringend notwendige Lehrschule an Erfahrungen in jeglichem Bereich, wie man mit Leuten umgeht, wie man durch die Welt geht und eine extreme Perspektivenöffnung an Toleranz, philosophisch in jedem Lebensbereich. Das hat New York mir in den frühen Jahren wirklich geboten. Wobei ich am Anfang sehr unvorbereitet war und wirklich naiv auch oft auf die Nase gefallen bin und durch die harte Schule auch sehr schnell die Lektionen gelernt hab’.</p>
<p>New York ist schnell, hart und faszinierend. Ich wohne im East Village und genieße die Gegend. Sich auf einen Lieblingsort in dieser Stadt zu beschränken ist schwer, jedoch ist der Spaziergang über die Williamsburg Brücke immer besonders schön.“ Chryslers beste Freunde sind überall auf der Welt zuhause. „Nach Graz kehre ich regelmäßig und immer gerne wieder zurück. Ich verbringe derzeit durch ständige Tourneen ungefähr gleich viel Zeit in Europa wie in den Staaten.“</p>
<p>&#8220;Ich kam in die USA und hatte nur einen Touristenstatus. Ich hab gekellnert und diverse Aktivitäten, aber das ging damals irgendwie schon einigermaßen. Ich habe damals im East Village gewohnt – 1986 war mein erstes Jahr und dann 1989 – und da war eine unglaublich gesunde, kreative Künstlerstimmung dort. Man kam man auch mit sehr wenig Geld aus. Das war wirklich so ein Bilderbuch der Bohemian Welt. Man hat zusammen gewohnt und sich gegenseitig unterstützt. Das hat gut geklappt. Ich glaube, das wäre dieser Tage in New York schon viel schwerer – obwohl der Dollar jetzt ja wenig wert ist –, aber es sind dann so viele  Reiche in die Stadt gezogen, die Mieten so gestiegen, dass das jetzt viel schwerer wäre, da einfach so Überleben zu spielen. </p>
<p>Und es war musikalisch auch so wichtig, denn ich wollte Musik machen. Ich habe auf Tausende Annoncen geantwortet, wo Sänger gesucht wurden. Auf Auditions zu gehen, die auf einem ganz anderen, super knallharten, professionellen Level waren, den ich noch nicht kannte, war unheimlich peinlich und erniedrigend, aber auch unheimlich lehrreich. Da hatte ich jeweils fünf Minuten, um meine musikalische Version von allen möglichen musikalischen Genres vor fremden Leuten zu präsentieren, die da kritisch saßen und zuhörten. Da wusste ich oft wirklich nicht, was tun. Auf die schnelle Art und Weise hat man gelernt, sich zu definieren und was man eigentlich tun will. Ich habe mit Amerikanern gemeinsam Musik gemacht, auch die richtigen dazu gefunden. Das ist ein ganz anderer Level. Es gibt keine staatlichen Förderungen und du bist so gut, wie viele Leute kommen und zahlen, um dich anzuhören. Und da musst du wirklich etwas liefern. Das war eine gesunde Schule.&#8221;</p>
<p>Weltweit gibt es nicht mehr als zehn, fünfzehn Theremisten, die vom Blatt Melodien spielen können. Man kennt sich untereinander, nicht zuletzt durch die von Dorit Chrysler gegründete <a href="http://www.doritchrysler.com/ThereminSociety.html">&#8220;New York Theremin Society&#8221;</a>. &#8220;Am Anfang schrieb die Village Voice: &#8216;Zehn Theremin-Spieler &#8211; wer will sich dieses Gekreische anhören?&#8217;&#8221;, erzählt Dorit Chrysler. Dann war jedes Konzert ausverkauft. Auf Einladung der L.A. Philharmonic hat sie vergangenen Mai zusammen mit neun Kollegen Leon Theremins reines zehnköpfiges Theremin Orchester gespielt. Wie 1932, wo die Komposition in der Carnegie Hall uraufgeführt wurde, kamen zehn Theremisten zusammen. Drei Tage wurde in der Disney Hall in Los Angeles geübt. &#8220;Wir hatten einen Dirigenten und haben hart gearbeitet, da sind einem die Ohren fast abgefallen. Teilweise hat es so schauerlich geklungen, dass wir dachten, es wird nie klappen&#8221;, sagt Chrysler. Kommen mehrere Theremine zusammen, kann es technische Probleme geben, wenn sie sich gegenseitig durch ihre Frequenzen übersteuern. Letztendlich kam der große Moment: Fünfzehn Minuten lang spielten die Kenner der &#8220;Ätherwellengeige&#8221; ganz leise und zart die Arrangements. </p>
<p>Auch in Europa hat die Musikerin und Komponistin einen Theremin-Verein gegründet. Sitz ist in Graz, Chryslers Geburtsstadt. Bislang gab es nur eine Generalversammlung. Die Theremin-Virtuosin ist viel unterwegs. Gibt es etwas in Graz, das sie vermisst? Ihre Familie und goldene Septembertage. Was braucht es für Zufriedenheit? &#8220;Den Liebsten und das Theremin.&#8221; </p>
<p>Dieses Jahr wird Dorit Chrysler live u.a. bei der Berlin Biennale zu erleben sein. Ihr nächstes Album ist beinahe fertig. Das Theremin wird darauf teilweise nur peripher ertönen und Platz für Singer-Songwriting lassen.</p>
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		<title>Peter Glaser</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Dec 2007 13:27:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marijana Miljkovic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Marijana Miljkovic]]></category>

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		<description><![CDATA[Schriftsteller Geboren in Graz Lebt in Berlin Ich wurde 1957 in Graz geboren, wuchs in Strassgang auf. Im Gymnasium habe ich ein Jahr vor der Matura beschlossen, Arbeiter zu werden. Ich wollte damals schon Künstler werden, Musiker, im Übergang zum Schriftsteller. Das ist vielleicht zu hoch gegriffen, ich habe damals Liedertexte geschrieben. Der Schriftsteller war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schriftsteller<br />
Geboren in Graz<br />
Lebt in Berlin</p>
<p>Ich wurde 1957 in Graz geboren, wuchs in Strassgang auf. Im Gymnasium habe ich ein Jahr vor der Matura beschlossen, Arbeiter zu werden. Ich wollte damals schon Künstler werden, Musiker, im Übergang zum Schriftsteller. Das ist vielleicht zu hoch gegriffen, ich habe damals Liedertexte geschrieben. Der Schriftsteller war eine Untermenge der Bezeichnung Arbeiter. Notgedrungen und aus Neugierde habe ich Jobs gemacht, die später Schriftstellerbiografien schmücken: Vom Tankwart bis zum Papierarbeiter bei der Leykam. Für einen Schriftsteller nicht schlecht: Ich kenne den Produktionsprozess vom umgesägten Baum bis zum Buch. Ich wollte wie jeder junge Mann in den 70er Jahren Gitarrist bzw. Musiker werden, aber ich hatte Glück, dass ich früh bemerkt habe, dass mein Talent nicht ausreicht. Ich wäre wahrscheinlich ein passabler Interpret geworden, der fremde Stücke nachsielen kann. Aber ich habe bemerkt, dass mir der letzte Schliff zum richtigen Ausdruck fehlt. Ich habe auch bemerkt, dass das Schreiben die Richtung ist, die mir gut gelingt. </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/graz_60er_der_leser1.jpg' title='graz_60er_der_leser1.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/graz_60er_der_leser1.thumbnail.jpg' alt='graz_60er_der_leser1.jpg' /></a></p>
<p>Gerade in dem Bereich in dem ich tätig bin, dem Schreiben, gibt es in Graz eine Kuriosität. Daran kann man auch niemandem die Schuld geben. Es hat damit zu tun, dass Graz relativ klein ist und eine überproportional große Menge an Schriftstellerinnen und Schriftstellern hat. In Graz kann also nur jede zweite oder jede dritte Generation zum Zug kommen. Die Generation vor mir war außerordentlich erfolgreich. Das waren die Leute, die das Forum Stadtpark gegründet haben und jetzt die Granden der österreichischen Literatur waren oder sind. Ich habe verschiedene Anläufe unternommen, die man als kleiner Dichter eben unternimmt, um irgendwo zu lesen oder zu veröffentlichen und es war ein Ding der Unmöglichkeit. In Graz, das eine konservative Stadt ist, kommt einem das Gefuehl entgegen, wenn man sagt, dass man Künstler werden möchte: ja, ja, ist heilbar. Das ist das eine. Und das andere: Der Gedanke, eine Existenz als Autor zu gründen, war vollkommen aussichtslos in Graz. Ehrwürdige Publikationen, die es heute gibt, die gab es damals nicht. Sterz gab es zwar schon, aber es war ganz neu. Es war alles sehr monolithisch. Es gibt einen Verlag, den Residenz-Verlag, der Gegenwartsliteratur veröffentlicht hat. Dort gab es einen Lektor, den Jochen Jung, der entschieden hat, was österreichische Gegenwartsliteratur ist. Der hat das natürlich nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, aber es ist auch sehr Grazerisch gewesen, dass sich das so auf einige wenige konzentrierte.</p>
<p>Es war dann so, dass ich immer wieder am Abreitsamt gelandet bin und immer wieder Sachen gemacht habe, die mit dem Schreiben nichts zu tun hatten. Die ich als Erfahrungen nicht missen möchte, aber die mir verdeutlicht haben, was ich im Leben nicht machen möchte, etwa in Fabriken herumstehen. Auf der anderen Seite war aber die vollkommene Perspektivenlosigkeit, etwas zu schreiben.<br />
Nachdem ich immer gern in Graz war und das soziale Umfeld gut funktioniert hat, bin ich gar nicht von alleine auf die Idee gekommen, aus Graz weggehen zu wollen. Ich bin von außen angestiftet worden. Ein guter Freund ist mit einer Künstlergruppe nach Düsseldorf gegangen und hat mich eingeladen. Ich war den Sommer über dort. Wieder nach Graz bin ich wieder am Arbeitsmarkt gelandet, wo ich wieder irgendeinen Job gemacht habe. Da habe ich mir gedacht: Das kann ich auch in Deutschland machen. </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/hamburg_1982_der_bleistift.jpg' title='hamburg_1982_der_bleistift.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/hamburg_1982_der_bleistift.thumbnail.jpg' alt='hamburg_1982_der_bleistift.jpg' /></a></p>
<p>Damals bin ich mitten in die Punk-Zeit hineingestolpert, ohne jede Absicht. Mein Freund war Musiker und ich habe in einer Kellerwohnung mit ihm gewohnt. Es war damals sehr untypisch, kein Popstar werden zu wollen. Ich habe mir aber in dem Musikerzirkus gewissen Respekt verschafft, weil ich gesagt habe, dass ich kein Musiker werden will. Sie waren ganz verblüfft, dass da jemand vor der Schriebmaschine sitzt. Das war etwas Altertümliches. </p>
<p>Durch ein einen Zufall traf ich auf zwei Schriftsteller, die das Literaturbüro Nordrhein-Westfalen hatten. Sie haben versucht, Leute zusammenzubringen und ihnen etwas zum Leben zu vermitteln. Eine Lesung oder einen Artikel in der Zeitung. Meine allererste Lesung war in einer Kneipe. Ein anderer Autor und ich haben beide zufällig Motorradgeschichten gelesen. Niklas Stiller. Wir haben uns angefreundet und einen Film zusammen gemacht. Niklas Stiller kannte Horst Königstein, der ein Fernsehproduzent war. Er hat eine Reihe gemacht: Jetzt kommt die Flut, als Anspielung auf die Neue Deutsch Welle. Er kannte Niklas, denn der hatte bei Rowohlt ein Buch herausgebracht. Er hat ihn gefragt, ob er in der Reihe einen Film produzieren mag und Niklas hat mich gefragt, ich sagte ja. Der Film hieß Lastwagenkrieg, das war so ein Öko-Thema, das uns als Punks überhaupt nicht interessiert hat. Wir haben den Film besetzt. Am Ende ist nur der Titel von dem geblieben, was Niklas damit vorhatte. Wir haben mit den übrig gebliebenen Ideen dann ein Buch gemacht. </p>
<p>1979 bin ich endgültig nach Düsseldorf umgezogen und 1981 habe ich mein erstes Buch veröffentlicht. Als ich mit Niklas nach Hamburg gefahren bin, um bei Rowohlt zu unterschreiben und ich die Stadt gesehen habe, habe ich gewusst, dass ich nicht in Düsseldorf bleiben will. Ich bin ein junger Mann aus einer kleinen Stadt, Graz, gekommen. Man erkennt dann den Unterschied zwischen einer Großstadt und einer Weltstadt. 1984 bin ich nach Hamburg umgezogen und habe an der Reeperbahn gewohnt, so wie ich es wollte, mitten im Geschehen. Die Literaturszene in Düsseldorf war sehr übersichtlich. Ohne, dass das überheblich klingen soll, ich habe die Herausforderung gesucht. In Hamburg hatte ich das Gefühl, dass es niemanden gibt, der nicht schon ein Buch veröffentlicht hat. Das war wie in einem Computerspiel das nächste Level. </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/tokio_2006.jpg' title='tokio_2006.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/tokio_2006.thumbnail.jpg' alt='tokio_2006.jpg' /></a><br />
(Peter Glaser in Tokio)</p>
<p>In Düsseldorf habe ich gedacht, dass ich ziemlich schnell dort angelangt bin, wo ich hinwollte. Ich habe ein Buch gemacht, angefangen, mit Schreiben Geld zu verdienen. In den späten 70er Jahren war die Gründerzeit der Stadtmagazine in Deutschland. Ich habe dann gehört, dass die in Düsseldorf einen Setzer suchen und ich bin dort hingegangen und habe gesagt, dass ich das kann und sie haben mir geglaubt. Ich dachte, ich habe einen Fuß in der Tür, ich bin bei einer Zeitung. Aber es war alles so offen, und so unstrukturiert, dass jeder, vom Chefredakteur bis zur Putzfrau auf Redaktionskonferenzen Vorschläge machen konnte. Ich begann innerhalb kürzester Zeit eigene Geschichten zu schreiben. Mit Niklas habe ich auch den Literaturteil betreut, die waren sehr offen für alle möglichen Ideen. </p>
<p>Einer von den  anderen Autoren im Literaturbüro hat gesagt, er habe einen Computer zu Hause. 1979, damals war das so ungewöhnlich, wie als wenn jemand einen Antischwerkraftgenerator zu Hause hat. Das wollte ich sehen. Er hat die Maschine eingeschaltet und ich habe gehen, dass das eine Mischung aus Zahlen und Worten ist und ich das nicht verstehe. Da hat mein schriftstellerischer Antrieb begonnen, zu funktionieren, nämlich: Ich will verstehen. Wenn ich Sprache sehe, will ich das verstehen. Und wenn es nicht Sprache ist, das in Sprache zu verwandeln und zu etwas zu machen, das man verstehen kann. Ich wurde von einer Panik befallen, von der inzwischen die ganze Weltwirtschaft lebt, nämlich dem Gefühl, wenn man die digitale Welt nicht versteht, dass man ein neuzeitlicher Analphabet ist. </p>
<p>Ich bin 1957 geboren, ich bin mit dem Sputnik 50 geworden, das heißt, die ganze Raumfahrt begleitet meine Biografie. Ich bin damals von der Technikeuphorie erfasst worden. Ich wollte Chemiker werden, habe auch einen Chemiekasten gehabt. Dann kam ich in die Pubertät und musste vollkommen schockiert feststellen, dass sich Mädchen nicht für organische Chemie interessieren. Ich habe aber Freunde gehabt, die älter waren und die Gitarre gespielt haben und ich hab gesehen: Wenn die gespielt haben, sind immer Mädchen da gesessen. Als junger Mensch ist man leicht korrumpierbar und dann bin ich in die Kunst abgeglitten. Und dabei bin auch geblieben.<br />
Mit Niklas, als wir mit „Der große Hirnriss“ auf Lesetour waren, war ich der erste Autor, der seinen Computer auf die Bühne genommen hat. </p>
<p>Ich war 16 Jahre in Hamburg. Im Übergang von Düsseldorf nach Hamburg habe ich ein Buch gemacht. Kiepenheuer und Witsch wollte eine Anthologie machen. Er hatte eine Momentaufnahme der Literatur der Jüngeren im Sinn.<br />
Als ich nach Berlin gegangen bin, hatte das private Gründe. Ich wollte gar nie dorthin. Ende der 90er gab es eine gewisse Hysterie man müsse jetzt unbedingt nach Berlin gehen. Es gab ein bisschen die Stimmung, dass Leute, aus dem kreativen Bereich das Gefühl vermittelt haben sie sind auf der suche nach Mitte in Mitte. Ich habe mich in einen unattraktives Viertel abgeseilt. </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/berlin.jpg' title='berlin.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/12/berlin.thumbnail.jpg' alt='berlin.jpg' /></a></p>
<p>Zum österreichischen Dialekt<br />
Ich bin ja immer noch Österreicher und bleibe es auch. Ich bin mit einer Italienerin verheiratet. Ich bin aus Not weggegangen, da hat aber keiner Schuld dran. Vielleicht muss das so sein, dass eine Stadt mit so vielen künstlerischen Menschen wie eine Pusteblume die Sporen in die Welt hinausträgt. Von Musil gibt es den schönen Begriff vom Welt-Österreichertum. In dem Sinne ist es so…<br />
Einige entscheiden sich dafür, ihre Identität neu zu finden. Die nehmen den Dialekt an. Mir war es immer wichtig, als Österreicher angenommen zu werden.<br />
Am Anfang habe ich mein halbes Selbstbewusstsein verloren, weil ich gedacht habe: Jeder Depp in Deutschland redet Hochdeutsch in ganzen Sätzen, mit Punkt am Ende. Während die Österreicher immer irgendwelche Halbsätze… Bis ich später draufgekommen bin, dass Österreicher eine eigene Sprachstrategie haben. Ähnlich, wie Engländer am Ende ‚isn’t it?’ sagen, um das Gespräch in Gang zu halten, machen Österreicher, die in Halbsätzen reden dem Gegenüber das Angebot, den Satz fertig zu machen. Wie eine Brücke oder Hand, die man einem reicht. Oder, dass sich Leute ständig ins Wort fallen, das ist auch typisch österreichisch.<br />
In Österreich ist es spannend, Literatur zu machen, weil man nach außen hin eine andere Sprache spricht, als man sie dann denkt, um zu schreiben – wenn man nicht HC Artmann oder Ernst Jandl ist. Während sich in Deutschland die gesprochene und geschriebene Sprache viel näher sind. Als ich nach Deutschland kam, dachte ich, ich bin in einem Buch, das spricht. Ich bin in die Literatur eingetaucht. Ich bin auch erst draufgekommen, dass die Art, mit Sprache umzugehen, hier gut ankommt. Weil wir Dinge nach Deutschland bringen, die die Deutschen alles was empfinden, das ihnen fehlt.<br />
Man unterstellt den Deutschen, sie hätten keinen Humor. Erstens stimmt das nicht und zweitens kann man das umdrehen: Man wird in Deutschland viel eher ernst genommen. Was ich als junger Autor in Graz nie wurde.<br />
Eine kleine Anekdote. Ich habe in den letzten Monaten, in denen ich in Graz war, eine Auswahl an Mauskripten an die Manuskripte geschickt. Mit Rückporto. Schweigen im Walde. Ich habe dann aus Düsseldorf fast den selben Satz Manuskripte nach Graz geschickt und hab kurze Zeit später Antwort bekommen. Man fände das interessant. Ohne jede Bitterkeit musste ich damals lachen. Weil das so ins Klischee passt. Ich habe gedacht: Jetzt weiß ich, wie man in Graz etwas wird. Man muss sich, wenn man in Graz bleiben möchte, einen Freund in New York oder sonst wo suchen, wo man seine Post umleiten kann. Das ist eine kleine Gemeinheit, das gibt es überall. </p>
<p>Ich glaube das geht nicht, dass ich nach Graz zurückkomme. Ich pflege Freundschaften und entdecke meine alte Heimat wieder neu. Ich habe die sterirische Weinstrasse neu entdeckt. Wenn ich wirklich reich und berühmt wäre, würde ich mir dort einen Zweitwohnsitz zulegen. Aber ich habe Blut geleckt und bin zu einem Großstadtmenschen geworden. Doch eine Straße in Graz hatte so etwas andeutungsweise großstädtisches, die Kreuzung Bahnhofgürtel/Kärntner Straße, wo auf den Schildern ‚Flughafen’ steht. Da bin ich nachts manchmal hingegangen. Wenn man nicht scharf hingesehen hat, hatte es etwas von einer großen Stadt.</p>
<p>Von Marijana Miljkovic</p>
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		<item>
		<title>Michael Maier</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Nov 2007 17:58:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marijana Miljkovic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Marijana Miljkovic]]></category>

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		<description><![CDATA[Journalist geboren in Klagenfurt in Graz studiert lebt in Berlin Bevor er zum Auslands-Grazer wurde, war der Journalist und Medienmacher Michael Maier Auslands-Kärntner. In Berlin lebt er nun schon seit einigen Jahren, ein Lehrauftrag bringt ihn seit nunmehr vier Jahren in die Stadt zurück, in der er einst studiert hat. „Geboren wurde ich in Kärnten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Journalist<br />
geboren in Klagenfurt<br />
in Graz studiert<br />
lebt in Berlin</p>
<p>Bevor er zum Auslands-Grazer wurde, war der Journalist und Medienmacher Michael Maier Auslands-Kärntner. In Berlin lebt er nun schon seit einigen Jahren, ein Lehrauftrag bringt ihn seit nunmehr vier Jahren in die Stadt zurück, in der er einst studiert hat.</p>
<p>„Geboren wurde ich in Kärnten, vor vielen hundert Jahren ungefähr, studiert habe ich in Graz. Insofern freue ich mich, dass ich unter die Grazer falle, wobei meine Mutter auch aus Graz gestammt hat. Nach Graz folgten verschiedene Stationen im Bereich Zeitungsdesign in den USA. Dann war bei der Kärntner Kirchenzeitung, bei der Presse in Wien, bei Berliner Zeitung, beim Stern, ein Jahr in Jerusalem. Ich habe dann die Netzeitung gegründet, sie durch schwierige, am Ende durch gute Zeiten geführt und schließlich mein jetziges Unternehmen gegründet, Blogform ¬ eine Gesellschaft, die sich mit modernen Medienformen im Internet beschäftigt. Die letzten paar Monate war ich in Cambridge an der Harvard University und habe dort zum Thema Bürgerjournalismus geforscht, Citizen Journalism.<br />
Seit einigen Jahren habe ich einen Lehrauftrag an der FH Joanneum, wo ich Journalisten unterrichte. </p>
<p>Graz habe immer in bester Erinnerung und ich fahre auch immer gerne hin. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass der Studiengang nach Kapfenberg verlegt werden soll. Dass das vom Tisch ist, beruhigt mich sehr. Ich habe jetzt nichts gegen Kapfenberg, aber Graz ist so eine vitale, interessante aber ebenso unaufgeregte Stadt.<br />
Was mich in Graz immer sehr beeindruckt hat, waren diese Dinge im Bereich neue Kunst. Der steirische herbst und all die Aktivitäten zur Kulturhauptstadt. Diese Bereitschaft, das Zeitgenössische plakativ hinzusetzen, finde ich toll.“</p>
<p>Michael Maier lebt mit seiner Familie in Berlin, gewisse Dinge, die er aus Graz mitgebracht hat, gibt er an seine Kinder weiter.<br />
„Ich habe ja fünf Kinder und der kleinste ist jetzt fünf Jahre alt. Und schon meinem Ältesten, der ist jetzt 21 Jahre alt, habe ich seinerzeit meine Kleinbahn, eine Modellbahn, vererbt. Die gabs früher in dieser Straße, die vom Bahnhof wegführt. Man sagt: Eigentlich ist es eh wurscht, wo man hinfährt ¬ ob nach Prag oder nach Chicago oder sonst wohin ¬ man endet immer in den gleichen Geschäften. Diese Kleinbahn hat mir immer sehr gefallen, denn die war ein österreichisches Unikat, das sich nicht von den Deutschen hat vereinnahmen lassen. Und ich habe beim letzten Grazbesuch mit Schrecken festgestellt, dass der Kleinbahnladen zugemacht hat.<br />
Und im übertragenen Sinne habe ich mitgenommen… eine Mischung aus allen Dingen, die mir wichtig sind: Die Musik, die Kunst, die netten Leute, das gute Essen. Das alles aber nicht in so einer spießigen Beschaulichkeit. Das ist für mich eine Mischung von Weltoffenheit und den österreichischen Vorzügen der Lebensqualität, die mir in Erinnerung geblieben ist.“ </p>
<p>Graz, eine Erinnerung</p>
<p>„Meine Mutter stammt ja aus Graz und später zog sie in die Voitsberger Gegend. In Voitsberg haben wir dann unsere Sommer zugebracht. Für mich als Kind, das aus den Kärntner Bergen kommt, war Graz der Inbegriff der Weltstadt. Da gab es große Häuser, große Straßen. Damals habe ich gedacht: Damit die Welt in Ordnung ist, muss Graz in Kärnten liegen. Heute bin ich eigentlich ganz froh, dass Graz nicht in Kärnten liegt. </p>
<p>Sieben, acht Jahre liegen zwischen dem letzten und dann wieder ersten Grazbesuch. Denn dann kam der Lehrauftrag.<br />
Im Vergleich zu Kärnten fehlt Graz überhaupt nichts. Ehrlich gesagt: Ein Land, das Jörg Haider noch immer als mehrheitsfähig betrachtet, nach alldem, was da passiert ist, das finde ich wirklich ganz grauenvoll. Das kann auch keine landschaftliche Schönheit kaschieren. </p>
<p>Graz heute</p>
<p>Ich komme wahnsinnig viel herum, auch in mittleren, kleinen deutschen Städten. Wenn man jetzt, um irgendeine Stadt zu nennen, Nürnberg oder Münster oder Bremen nimmt, dann sind diese Städte eigentlich sehr multiethnisch geworden und ist Normalität geworden. In Graz ist mir aufgefallen, dass das nicht so der Fall ist. Meine Beobachtung ist subjektiv, aber ich habe das ein paar Mal erlebt: Es gibt ein paar Schwarzafrikaner, die am Hauptplatz Zeitungen verkaufen. Ich habe mich einmal hingestellt und die Leute beobachtet. Das war schon komisch. Die eingefleischten Grazer waren ihnen gegenüber zwar nicht aggressiv feindselig, aber doch ausgrenzend. Man konnte das spüren. Das ist wie gesagt eine subjektive Beobachtung. Umgekehrt, um ein positives Beispiel zu nennen, bin ich bei meinem letzten Besuch entgegen aller Warnungen in die Grazer Oper gegangen. Man hat mich gewarnt, keinesfalls in die Grazer Oper zu gehen. Tiefste Provinz! und ganz schrecklich!, wurde mir gesagt. Und als ich dann dort war, war ich richtig baff. Ich habe eine phantastische, ganz moderne Inszenierung von Rigoletto gesehen. Ich hab in meiner Studienzeit im Chor der Grazer Oper gesungen. Und wenn ich nachdenke, was sich seither getan hat! Ich war echt beeindruckt.“ </p>
<p>Und doch hat es den Medien-Mann in die Ferne gezogen<br />
„Ich glaube nicht, dass man aus Graz weg muss. Ich bin ja deswegen weggegangen, weil ich mich wahnsinnig dafür interessiert habe, was es sonst noch gibt. Meine jetzige Firma hat ihren Sitz in Oslo. Als ich noch in Kärnten war, habe ich Graz immer als liberal und angenehm empfunden. Doch die Einladung nach Berlin zu gehen und eine ehemals kommunistische Zeitung in eine moderne umzubauen, da gab es nichts, das mich hätte abhalten können.“</p>
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		<title>Clemens Krauss</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Nov 2007 16:43:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>maria</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maria Motter]]></category>

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		<description><![CDATA[geboren in Graz lebt in Berlin Kunst, Malerei www.clemenskrauss.com Clemens Krauss kann der Frage nach seinem Geburtsjahr nicht viel abgewinnen. &#8220;Bezogen auf die gesamte Kulturgeschichte sind wir momentan sowieso eine Generation. Egal, ob man jetzt drei Jahre alt oder neunzig ist. Da sind lächerliche 87 Jahre dazwischen. Aber gerade in der Kunstszene sind derzeit alle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>geboren in Graz<br />
lebt in Berlin<br />
Kunst, Malerei</p>
<p><a href="http://www.clemenskrauss.com" title="www.clemenskrauss.com">www.clemenskrauss.com</a></p>
<p>Clemens Krauss kann der Frage nach seinem Geburtsjahr nicht viel abgewinnen. &#8220;Bezogen auf die gesamte Kulturgeschichte sind wir momentan sowieso eine Generation. Egal, ob man jetzt drei Jahre alt oder neunzig ist. Da sind lächerliche 87 Jahre dazwischen. Aber gerade in der Kunstszene sind derzeit alle so gierig auf die Jugend: man <em>muss</em> jung sein und <em>muss</em> noch marktfrisch sein – das finde ich teilweise so respektlos. Ich erinnere gerne an Leute wie Louise Bourgeois, die erst mit fünfzig berühmt wurde. Oder an wirklich gute Künstler wie Maria Lassnig in Österreich, die 88 ist. Die Frage nach dem Alter ist in Wirklichkeit ziemlich belanglos, das ist, wie wenn man nach dem Gewicht oder der Körpergröße fragt.&#8221;</p>
<p><img src="http://i10.photobucket.com/albums/a124/mademoisellemimi/krauss_atelier.jpg" alt="Selbstportrait im Atelier in Berlin, Juni 2007 (c) Clemens Krauss" /></p>
<p>Für seine (zeitlich betrachtet) kurze Biographie ist Clemens Krauss bereits beachtlich lange in der professionellen Kunstwelt zuhause. Er hat Silikon als Malmittel entdeckt, am Central St. Martins College of Art and Design in London, das man nicht nur aus Pulp’s „Common People“ kennt, und an der Universität der Künste in Berlin studiert. In seinen Arbeiten beschäftigt sich der gebürtige Grazer u. a. mit dem Körper als einem Ort, an dem sich Identität, Individualität, Politik und Gesellschaft niederschlagen (im Februar 2008 erscheint das Buch „Das Körperkörper-Problem“, Verlag Walther König).</p>
<p>Mit dem 1893 geborenen, 1954 verstorbenen Wiener Dirigenten Clemens Krauss ist Clemens Krauss nicht verwandt. „Als Kind hat mich das immer ein bisschen beflügelt, wenn ich nach ihm gefragt worden bin“, erzählt der Maler Krauss. „In Salzburg gibt es eine Clemens Krauss-Straße und ich warte halt nur-“ unterbricht er sich schmunzelnd. „Dort müsste man sich eine Wohnung kaufen.“ Clemens Krauss, Clemens Krauss-Straße… Seine Arbeit ist im Prinzip nicht an Orte gebunden, sagt Krauss. &#8220;Ich brauche nur Ruhe zwischendurch, solche Biotope schaffe ich mir an den jeweiligen Orten – etwa bei meinen Atelieraufenthalten in São Paulo und Sydney dieses Jahr oder in Tokyo nächstes Jahr. Das Herumkommen ist demnach gleich wichtig wie das Von-wo-Herkommen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Das einzige, was mir vor längeren Aufenthalten Sorge bereitet, ist nicht, wo ich schlafen und wo ich mein Essen kaufen werde, sondern dass ich die Materialien bekomme, die ich brauche. Welche Grammatur die Leinwand hat und welche Holzarten für den Leinwandbau zur Verfügung stehen, welche Ölfarben und Farbtypen es gibt, kläre ich möglichst vorab. Das ist mir ganz wichtig. Das sind meine Instrumente. Ich kann mit einer schlechten Ölfarbe mittlerweile nicht mehr arbeiten. Ich könnte, doch das würde mich unglücklich machen.&#8221; Nach Brasilien ließ Krauss seine Materialien zu Beginn dieses Jahres schiffen.</p>
<p>&#8220;In São Paulo hatte ich ein Atelier angeschlossen an das Museo Paço das Artes im Universitätskomplex. In meiner Arbeit geht es viel um Körper und Posieren in jeweiligen politischen, sozialen oder kulturellen Kontexten. Wenn man nun in so einem anderen Umfeld lebt, dann gleicht sich irgendwann die Wirklichkeit der eigenen Klischeevorstellung korrigierend an – oder umgekehrt. Das hat mich &#8211; gerade in Brasilien &#8211; besonders  beeindruckt.</p>
<p>Ich lasse mich recht schnell auf das fremde Umfeld ein. Etwa auf das Essen, auf die Musik, auf die politische Situation eines Landes und natürlich auf die Sprache. Ich kaufe dann prinzipiell nur hiesige, kaum internationale Zeitungen.&#8221; Was Clemens Krauss auch bei kürzesten Flugstrecken mitnimmt, sind seine Laufschuhe. Laufend wird neue Umgebung erkundet.</p>
<p><img src="http://i10.photobucket.com/albums/a124/mademoisellemimi/smak_gent.jpg" alt="S.M.A.K. Gent (c) Clemens Krauss" /></p>
<p>&#8220;Ich war in letzter Zeit bei Hochzeiten von alten, sehr guten Freunden in Österreich. Dazu muss ich sagen, dass ich alles andere als unversöhnt mit meiner Herkunft bin. Ich bin viel zu glücklich damit, wo und woran ich jetzt bin – und genauso glücklich bin ich auch auf Besuch in Graz. Das ist überhaupt kein Thema. Aber was ich merke, ist, dass ich mir in den letzten sechs, sieben Jahren eine gewisse Art des Denkens und von Wichtigkeiten verinnerlicht habe. Außenwahrnehmungen sind mir nicht mehr so wichtig. Das klingt zunächst wie eine Behauptung, aber es fällt mir vermehrt an mir selbst auf und ich erinnere mich noch gut, wie das am Gymnasium und am Anfang des Studiums war: wer wichtig war und wer nicht und wie die anderen einen sahen – eine typisch kleinstädtische Eigenheit &#8211; das hat sich mit Sicherheit in eine andere Richtung verschoben. Ich habe jetzt in erster Linie vor den Leistungen und Errungenschaften anderer Menschen Respekt. Das hat viel weniger mit Standesdünkeleien zu tun. Diese Unvoreingenommenheit ist schon etwas, das der Kunstszene speziell innewohnt. Auch deshalb würde ich sagen, ich bin in dieser Welt zuhause.&#8221;</p>
<p>&#8220;Das Umfeld, in dem man sich bewegt, prägt man selbst auch, indirekt und unbewusst, mit. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass dieses Umfeld mir mittlerweile sehr entspricht oder ich diesem Umfeld auch entspreche, könnte ich gar nicht so arbeiten, wie ich arbeite. Diese speziellen Umfelder suche ich dann immer wieder an den jeweiligen Aufenthaltsorten. Beispielsweise auch, wenn ich in Graz bin. Dann zieht es mich mehr an die künstlerischen Ecken – die es vor wenigen Jahren in der Form noch gar nicht gab – wie in die Postgarage oder ins Palais Thienfeld (das es mittlerweile nicht mehr gibt) und das ganze Viertel um das Kunsthaus – als zum Beispiel ins Café Harrach, wo ich als Student dauernd war.</p>
<p>Mich hat es immer hinausgezogen, schon als Schüler und Student. Die Entscheidung, endgültig wegzugehen beruhte auf der Erkenntnis, dass sich der Beginn einer künstlerischen Tätigkeit wohl kaum in Graz verwirklichen lässt. Als junger Suchender braucht man schnell den entsprechenden Kontext, möglichst viele Gleichgesinnte und andere Verrückte und ein neues, zunächst unvertrautes Umfeld.” Nach der Matura studiert Clemens Krauss in Graz. Über einen kurzen Umweg über Wien landet er 2001 in Berlin. &#8220;Von 2003 bis 2004 habe ich in London gelebt und seit Ende 2004 bin ich wieder hier in Berlin. Zurückgekehrt sozusagen.&#8221;</p>
<p><img src="http://i10.photobucket.com/albums/a124/mademoisellemimi/W_arco_madrid.jpg" alt="Arco Madrid (c) Clemens Krauss" /></p>
<p>&#8220;Der Freundeskreis von früher hat sich zu einem kleinen Kreis verdichtet. Neue Freunde aus den letzten Jahren gibt es in verschiedenen Städten, aber gemeinsam Kind gewesen zu sein teilt man eben nur mit wenigen Menschen.&#8221;<br />
Wäre das ganze Jahr Weihnachten, würde Clemens Krauss eine Rückkehr in die Stadt an der Mur in Erwägung ziehen. Eine charmante Bedingung. Ob es Dinge oder Orte in Graz gibt, die er vermisst? &#8220;Puntigamer Bier geht mir ab und der Geruch meines Kinderzimmers.&#8221;</p>
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		<title>Christina Pluhar</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 19:45:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marijana Miljkovic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Marijana Miljkovic]]></category>

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		<description><![CDATA[Lautenistin und Harfenistin geboren in Graz lebt in Paris „Ich bin im Alter von 19 Jahren aus Österreich weggegangen, das war 1984. Zuerst nach Holland, um in Den Haag zu studieren. Nach drei Jahren zog ich nach Basel, auch des Studiums wegen, wo ich sechs Jahre geblieben bin. Am Ende meines Studiums bin ich nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lautenistin und Harfenistin<br />
geboren in Graz<br />
lebt in Paris</p>
<p>„Ich bin im Alter von 19 Jahren aus Österreich weggegangen, das war 1984. Zuerst nach Holland, um in Den Haag zu studieren. Nach drei Jahren zog ich nach Basel, auch des Studiums wegen, wo ich sechs Jahre geblieben bin. Am Ende meines Studiums bin ich nach Paris übersiedelt, dort lebe ich schon seit mehr als 15 Jahren.“ </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/pluhar.jpg' title='pluhar.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/pluhar.thumbnail.jpg' alt='pluhar.jpg' /></a></p>
<p>L’Arpeggiata. „Das ist der Name meiner eigenen Gruppe für alte Musik, die ich 2000 gegründet habe. Der Name ist der Titel einer Komposition des Lautinisten Geronimo Kapsberger. Er war Deutscher, hat aber in Italien gelebt. Den Titel habe ich deswegen gewählt, weil wir auf die Musik aus dem 17. Jahrhundert spezialisiert sind, die Zeit, in der dieser Komponist gelebt hat. Und weil das auch mit der Klangfarbe unserer Gruppe zu tun hat, es gibt viele Lauteninstrumente, Lauten, Harfen.<br />
Ich selber spiele Laute, Theorbe, die große Basslaute, Barockgitarre und alle möglichen Lauteninstrumente. Und Barockharfe – ich fahre doppelgleisig. </p>
<p>Ich glaube, für viele Grazer, die im Ausland wohnen, bleibt Graz immer sehr wichtig. Ich bin in den 70er und 80er Jahren in Graz aufgewachsen. Damals war Graz noch relativ isoliert, das hat sich, soweit ich beobachten konnte, schon sehr verändert. Es war damals ein kleines Inselchen. Eine kleine Großstadt, wo kulturell sehr viel los war, aber sehr beschaulich und überschaubar. Es war eine sehr stimulierende Umgebung. Mit dem steirischen herbst und der Literaturbewegung. Was es damals nicht gab, heute aber schon gibt, ist alte Musik. Damals, Anfang der 80er, war Graz unberührt davon. Deswegen bin ich aus Graz weggegangen, aber ich habe schöne Erinnerungen an Graz und ich komme immer wieder gerne zurück. Weihnachten ist meistens die Zeit für einen Graz-Besuch, das hat sich so eingependelt. Mehr schaffe ich mit meinem Lebenswandel nicht, denn als Musikerin bin ich ständig auf Konzertreisen, da bleibt wenig Zeit.</p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/christinapluhar.jpg' title='christinapluhar.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/christinapluhar.thumbnail.jpg' alt='christinapluhar.jpg' /></a></p>
<p>Ich bin im Stadtzentrum aufgewachsen, in Geidorf. Ich war relativ jung, als ich aus Graz weggezogen bin. Wenn ich geblieben wäre, hätte beruflich nicht das machen können, was ich mache. Auf der anderen Seite wohne ich seit 15 Jahren in Paris und da kommt die Sehnsucht nach der Überschaubarkeit. In Paris gibt es mit allen Vororten 14 Millionen Einwohner, eine Großstadt mir ihren Problemen, was andere Situationen bringt. Aber man kann nicht alles haben. Man kann nicht im Zentrum der Welt leben plus die Bequemlichkeiten einer Kleinstadt genießen.<br />
In Frankreich wird alte Musik nicht als Nische gesehen, die wird in Österreich als etwas Elitäres angesehen, die klassische Musik, Mozart, ist hier vorherrschend. Im Rest von Europa und vor allem in Frankreich ist die Klassik zu 50 Prozent von alter Musik vertreten. Da kann man nicht mehr von Nischen Reden.<br />
Für die, die nicht mit Musik betraut sind: Es ist ein knochenharter Job. Man kann nie sagen ich übe jetzt mal nicht. Man muss wie ein Sportler ständig in Form sein. Auf der anderen Seite ist Musik nicht nur das. Konzertverkauf, CD-Planungen, Management, das gehört dazu.“ </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/arpeggiata.jpg' title='arpeggiata.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/arpeggiata.thumbnail.jpg' alt='arpeggiata.jpg' /></a></p>
<p>Paris – die Stadt der Liebe – verliebt in die Stadt?<br />
„Ich hatte überhaupt keine genaue Vorstellung wohin, mein Herumziehen in Europa hat sich so ergeben und ich hab mich einfach tragen lassen. Und bin dorthin gegangen, wo ich am meisten lernen und am meisten Erfahrungen sammeln konnte. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, das war eine berufliche Entwicklung.</p>
<p>Generell würde ich sagen, Paris und Graz kann man überhaupt nicht vergleichen. Da fällt mir kein einziger Ort ein. Es ist so ein anderer Lebensstil.<br />
Wenn Sie heute entscheiden, dass Sie nicht im Zentrum sondern auf einem Hügel von Graz leben wollen, sind Sie trotzdem in 15 Minuten in der Stadt. Während die Pariser Vororte… das streckt sich. Familien sind gezwungen außerhalb zu wohnen, weil die Wohnungen im Zentrum zu klein sind. Das bedeutet im Normalfall zwei Stunden Hinfahrt und zwei Stunden Rückfahrt von zu Hause in die Arbeit. Das sind Sachen, die man sich als Grazer schwer vorstellen kann. Für einen Pariser ist das hart. Als Musikerin habe ich diesen Stress nicht.<br />
Auch die Leute sind sehr unterschiedlich. Den „Pariser“ gibt es gar nicht. Die meisten Menschen leben arbeitsbedingt in der Stadt. Sie kommen meistens aus dem Rest von Frankreich, haben dort Familien. Der Grund ist, dass Frankreich so zentralisiert ist. Das ist so, als wenn heute alle in Wien arbeiten müssten, weil es in den kleineren Städten fast unmöglich geworden ist, gute Jobs zu finden und Karriere zu machen. Paris ist zu einer Arbeitsstadt geworden. Alle Pariser haben den Wunsch nach mehr Platz, mehr Familienaktivität, großen Häusern auf dem Land. Das macht aus dem Pariser eine zwiegespaltene Persönlichkeit, die auch ständig etwas melancholisch und unzufrieden ist.<br />
Die geografische Abgeschiedenheit von Graz ist sowohl eine Qualität als auch ein Kritikpunkt. Sie hat einerseits sehr lange eine Identität für die Stadt kreiert, andererseits ist da auch Kurzsichtigkeit entstanden, beispielsweise, dass man nicht weiß, was in Bezug auf alte Musik vor sich geht. Weil es schwierig ist, über die Berge zu schauen.“ Christina Pluhar lacht. „Ich schließe es nicht aus, einmal zurückzukehren.“</p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/pluhar-004.jpg' title='pluhar-004.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/pluhar-004.thumbnail.jpg' alt='pluhar-004.jpg' /></a></p>
<p>„Ich bin sicher europäisch beeinflusst, weil es in meiner Gruppe 18 verschiedene Nationalitäten gibt und ich nicht nur in Frankreich gewohnt habe. Was meine eigene Persönlichkeit, mein eigenes Grazerisch ist und mich manchmal in Konflikte mit den Franzosen bringt, ist, dass ich direkter bin mit meinen Antworten und dass ich nicht um den heißen Brei rede. Hier ist ganz typisch für die Französinnen, dass sie „ja“ sagen und „nein“ meinen. Das kann ich als Grazerin überhaupt nicht. Für mich ist „ja“ ja und „nein“ nein. Ich habe jahrelang versucht, mich darauf einzulassen, aber es funktioniert nicht. Das bleibt ein Mentalitätsunterschied und damit ecke ich auch an, denn die Franzosen fühlen sich zu konfrontiert und zu vor den Kopf gestoßen.“</p>
<p>Von Marijana Miljkovic</p>
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		<title>Thomas Kloos</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 18:21:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marijana Miljkovic</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Marijana Miljkovic]]></category>

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		<description><![CDATA[1978 in Graz geboren lebt in Kerala, Indien unterrichtet in einem Ashram Thomas Kloos beschwichtig. Er hat „genug Zeit”, als er auf dem Stuhl im Gastgarten des Café Ritter Platz nimmt, um über sein Leben zu reden. Seine Stimme ist ruhig, sein Blick erholt, seine Haltung entspannt. „Graz ist die Stadt, die ich als Heimat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1978 in Graz geboren<br />
lebt in Kerala, Indien<br />
unterrichtet in einem Ashram</p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/amritapuri-2006.jpg' title='amritapuri-2006.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/amritapuri-2006.thumbnail.jpg' alt='amritapuri-2006.jpg' /></a></p>
<p>Thomas Kloos beschwichtig. Er hat „genug Zeit”, als er auf dem Stuhl im Gastgarten des Café Ritter Platz nimmt, um über sein Leben zu reden. Seine Stimme ist ruhig, sein Blick erholt, seine Haltung entspannt.</p>
<p>„Graz ist die Stadt, die ich als Heimat sehe,“ beginnt er. Nach der Matura, als er vier Monate nach Indien reiste, wollte er eigentlich zurückkommen, doch aus den geplanten vier wurden sechs Monate, aus dem halben Jahr wurde ein ganzes und noch ein halbes. Thomas Kloos wohnt im Süden Indiens, im Bundesstaat Kerala.</p>
<p>„Indien hat mich wegen der Kultur und der Spiritualität immer schon interessiert. Ich habe davor schon viele Bücher über fernöstliche Philosophie gelesen und ich wollte mir das einmal anschauen. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich kannte niemanden, der schon dort war. Ich wusste nichts über das Land. Ich hatte keine Bekannten oder Brieffreunde oder sonst irgendjemanden. Ich bin einfach hingefahren. Ich war sofort begeistert von dem Land. Die Kultur, die Lebensart waren mir irgendwie vertraut, obwohl alles neu und exotisch war. Die Idee, zumindest eine Zeitlang in einem Kloster oder Meditationszentrum zu verbringen, hatte ich schon am Anfang, aber ich hatte überhaupt keine Ahnung von den ganzen Dingen. Außer aus Büchern.<br />
Zwei Monate reiste ich durch das Land und kam in Südindien zu einem Ashram, wo ich letztendlich geblieben bin. Das ist elf Jahre her. Und dort hatte ich eigentlich auch nicht vor, lange zu bleiben, am Anfang nur zwei, drei Tage, um auszuruhen.<br />
Im Ashram habe ich einen Meditationskurs gemacht und meinen Aufenthalt immer ein bisschen verlängert.<br />
Ich habe begonnen, im Ashram, diesem hinduistischen Kloster, das karitative Zwecke verfolt, bei den verschiedenen Projekten mitzuarbeiten und mich dort einzuleben. Nach eineinhalb Jahren war ich eine Zeitlang in Österreich, ich wurde zur Nachstellung einberufen – ich war davor als vorübergehend untauglich eingestuft – dann wurde ich leider für tauglich befunden. Das war nicht schlecht im Nachhinein betrachtet, weil ich meinen Zivildienst auch im Ashram geleistet habe, denn es leitet auch Schulen, Waisenhäuser, Universitäten und Krankenhäuser.<br />
Der Ashram M.A. Math konzentriert sich auf Karma Yoga, den selbstlosen Dienst an den Armen. Dort, wo ich lebe, lebe ich frei, Essen, Unterkunft, Kleidung. Dafür verdiene ich nichts für die Arbeit, muss aber auch nicht arbeiten.“<br />
Ein Paradies für Faulenzer? „Nein, das lässt der rigorose Tagesablauf nicht zu. Der Tag beginnt um fünf in der Früh mit einer Stunde Meditation. Dann gibt es Unterricht in den Schriften. Nach dem Frühstück beginnt der Arbeitstag. Abendessen ist um 21 Uhr.“</p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/madurai-2006.jpg' title='madurai-2006.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/madurai-2006.thumbnail.jpg' alt='madurai-2006.jpg' /></a></p>
<p>Graz. Aus den Augen aus dem Sinn?<br />
„Die ersten fünf, sechs Jahre hatte ich kaum Kontakt zu Graz. In den späten 90ern gab es noch keine wirklich guten Internetverbindungen. 2002 kam ich das erste Mal nach langer Zeit zurück, seither komme ich jedes Jahr nach Graz. Es ist ein Heimatgefühl, das ich mit Graz verbinde. Ich komme hauptsächlich wegen der Familie.<br />
Ich habe positive Erinnerungen an die Stadt, sie ist wunderschön. Kaffeehäuser, die alten Häuser, das gefällt mir gut und das sind auch Dinge, die mir in Indien abgehen. Das Flair, das gemütliche in Graz, herumspazieren, Eisessen, Fahhradfahren – ich fahre nie mit dem Rad in Indien – Schlossberg, Stadtpark…</p>
<p>Aus Graz nach Indien würde ich die äußere Kultur, und von Indien nach Graz die geistige und innere Kultur mitnehmen. In Graz gibt es die hohe Kultur im Äußeren, Architektur, dieser Stil, die Kirchen, das ist alles sehr schön anzuschauen. Die Natur ist frisch. Das gibt es in Indien nicht. Im Äußeren ist es verdreckt, die Umweltverschmutzung ist extrem, weil einfach das Bewusstsein und das Geld fehlen. Doch alles, was wir in der äußeren Kultur haben, haben die Inder in der inneren. Eine große Ordnung, Klarheit, ein Streben zur Reinheit, Meditation, Selbstdisziplin, das würde Österreichern gut tun.</p>
<p>Ich spreche hauptsächlich Englisch und ich spreche ein bisschen und verstehe Malayalan, die lokale Sprache in Kerala. Ich spreche auch noch Sanskrit, wobei es keine Sprache ist, die gesprochen wird, wie bei uns Latein. Ich lese Sanskrit. Ich habe Sanskrit gelernt, um Schriften im original zu lesen. </p>
<p><a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/madurai-2007.jpg' title='madurai-2007.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/10/madurai-2007.thumbnail.jpg' alt='madurai-2007.jpg' /></a></p>
<p>Ich könnte mir vorstellen, wieder nach Graz zu kommen, doch mein Lebensmittelpunkt ist in Indien. Als Heimat kann ich es nicht wirklich bezeichnen. Eher als spirituelle Heimat oder Heimat einer Entwicklungsphase in meinem Leben. Es gibt keinen Plan zurückzukommen, ich will es aber nicht ausschließen.<br />
Es dauert drei bis fünf Jahre, bis man die großen Unterschiede zwischen westlich und indisch erkennt. Man sieht natürlich sofort die offensichtlichen Unterschiede, und nach einem halben Jahr denkst du, du bist indisch, wie du dich verhältst und wie du sprichst – mit dem indischen Akzent im Englischen. Erst nach ein paar Jahren kommt man drauf, wie tiefgehend auch in der Denkweise die Unterschiede sind.<br />
Ich unterrichte Ethik und Philosophie am Engineering College. Für die Studenten ist ein Lehrer aus dem Westen ein Wow-Erlebnis. Dass jemand kommt und den Luxus im Westen aufgibt, aus Interesse und Liebe zur Kultur, ist für sie teilweise unverständlich. Ich kann dann aber vieles relativieren. Die indischen Lehrer kennen den Westen ja auch nicht, sie kennen die Enttäuschungen nicht.<br />
Für mich steht mein hinduistischer Lebensstil in keinem Konflikt mit dem Katholizismus. Außerdem ist es gut, dass ich nicht aus der Kirche ausgetreten bin. Ich bin Taufpate meines Neffen und das könnte ich sonst nicht sein.“</p>
<p>Die Taufe fand am darauffolgenden Tag, am Samstag statt. Thomas Kloos reiste zwei Tage später wieder nach Indien zurück. </p>
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		<title>Franz Raschbacher</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2007 15:31:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wolfgang Haas]]></category>

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		<description><![CDATA[aufgewachsen in Kalsdorf bei Graz lebt in Veikkola bei Helsinki Künstler, Architekt www.pfpaja.fi Das erste Mal bin ich 1990 nach Finnland gegangen, dann nochmals 1998 wegen der selben Frau. Die neue Beziehung dauert schon länger als die Pause dazwischen. Das ist merkwürdig. Die Pause hat so lang gedauert und jetzt habe ich gar nicht das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>aufgewachsen in Kalsdorf bei Graz<br />
lebt in Veikkola bei Helsinki<br />
Künstler, Architekt<br />
<a href="http://www.pfpaja.fi" title="www.pfpaja.fi" target="_blank">www.pfpaja.fi</a></p>
<p>Das erste Mal bin ich 1990 nach Finnland gegangen, dann nochmals 1998 wegen der selben Frau. Die neue Beziehung dauert schon länger als die Pause dazwischen. Das ist merkwürdig. Die Pause hat so lang gedauert und jetzt habe ich gar nicht das Gefühl als wäre ich schon zehn Jahre da.</p>
<p><flv width="320" height="240" autostart="true"></flv></p>
<p>Familie. Die Tage sind so gleichförmig, dass du im Nachhinein denkst: Was hast du eigentlich gemacht? Wir haben einen vierjährigen Sohn zusammen – Anton. Die letzten drei Jahre war ich Hausfrau. Das macht diese zeitliche Dimension der Gleichförmigkeit schlimmer. Du kommst komplett durcheinander, weil die Tage so ähnlich sind. Du verlierst diese Punkte, wo du sagst &#8216;Ah ja, letzte Woche habe ich das und jenes gemacht.&#8217;. Wenn ich da an Graz denke, und das Studium: Da war das Projekt und dann das. Jetzt denkst du zurück und weißt: Irgendwann war das Kind klein und jetzt ist er ein bisserl größer. Aber was dazwischen war, ist irgendwie ein Graubereich ohne Punkte. Es gibt eine Gleichförmigkeit. Die ist andererseits auch irgendwie schön. Die Zeit, die mich der finnische Staat in Karenz gehen ließ, ist jetzt vorbei. Ich muss mir etwas neues überlegen. Ich habe ein Kulturstipendium bekommen, muss zeichnerisch wieder was tun und das Stipendium ist der Weg, der mich aus dem Hausfrauendasein und dieser Gleichförmigkeit wieder hinausführen wird. Wir werden sehen. Es ist eine Übergangsphase. Mein Sohn ist bei der Tagesmutter. Jetzt gibt es Zeit.</p>
<p>Ich lebe in Veikkola, einem Dorf im Einzugsbereich von Helsinki. Die Autobahn geht bis zum Dorf, das ist ähnlich wie in Graz Seiersberg. Für finnische Verhältnisse ist es groß. Ungefähr sechstausend Menschen wohnen hier, gleichzeitig merkt man das nicht, wenn man durchfährt. In Finnland erkennt man an der Anzahl der Supermärkte, wie viele Bewohner ein Dorf hat. In den Dorfzentren siehst du immer eine Tankstelle und dann gibt es Supermärkte. Gibt es nur einen, wohnen in den Häusern, die dort irgendwo im Wald verstreut sind, circa zweitausend Menschen. Gibt’s zwei oder drei Supermärkte, leben dort vier- bis sechstausend Menschen. Die Dörfer selbst treten in den Straßen räumlich nicht in Erscheinung. Dörfer im österreichischen Sinne, dass alle an einem Platz wohnen und rundherum die Felder sind, das ist in Finnland eher die Ausnahme.</p>
<p><flv width="320" height="240" autostart="true"></flv></p>
<p>Die Landschaft hier besteht aus Wald und Seen. Für einen Österreicher ist das am Anfang schlimm. Du hast keine weite Sicht. Der Horizont ist zehn Meter von dir entfernt, der Horizont, das sind die Bäume. Das hat damit zu tun, dass das Gebiet landwirtschaftlich nicht genutzt wird. Fährt man von hier auf der Landstraße nach Helsinki, hat man als Ausländer extreme Schwierigkeiten sich zu orientieren. Selbst mir geht es noch so, alles schaut unglaublich gleich aus.</p>
<p>Baulich sind die Dörfer merkwürdig weitläufig, sozial dafür sehr dicht. In Finnland gibt es vielleicht noch mehr Vereine als in Österreich. Ich glaube, das liegt daran, dass die kleinste Verwaltungsstruktur in Finnland der Bezirk ist, nicht das Dorf. Dörfer sind nur Bezirksteile ohne klare Grenzen, ohne Bürgermeister, ohne eigene Polizei und auch ohne Gemeinderat. Sie werden von der Bezirkshauptstadt aus verwaltet. In Südfinnland sind Bezirke relativ klein, aber im Norden ist dann die Bezirkshauptstadt fünfhundert Kilometer weg. Diese Strukturierung hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist es wahrscheinlich billiger, die Verwaltung so zu organisieren, andererseits ist alles, was für die dorfspezifischen Anliegen gemacht wird, ehrenamtlich.<br />
Das bringt mich zurück zur sozialen Dichte. Weil es keinen offiziellen Dorfverantwortlichen gibt, der politisch hierarchisch fixiert ist, hat sich eine starke Zivilkultur entwickelt. Menschen nehmen die Dinge selbst in die Hand – da gibt es Dorfvereine, die Dorfzeitung, den Dorfirgendwas, den Dorfdieses und -jenes. Die Leute kümmern sich selbst um die Agenden des Zusammenlebens.</p>
<p><flv width="320" height="240" autostart="true"></flv></p>
<p>Skandinavien hat den Ruf sozial fortschrittlich zu sein. Der ganze Schul- und Bildungsbereich und alles was mit der Unterstützung von Kindern zu tun hat ist exzellent organisiert. Das Gesundheitssystem hingegen ist katastrophal. Die Gesundheitsversicherung ist zwar billig, dafür ist aber das staatliche oder von der Kommune zur Verfügung gestellte Service verglichen mit Österreich minimal. Der Effekt ist, dass Finnen, wenn es nicht sein muss, nicht zum Arzt gehen. In Österreich – ich kann mich erinnern, wie wir klein waren: Wenn das Kind Fieber hat, rufst du den Arzt. Der kommt ins Haus, sagt, &#8216;Das Kind hat Grippe. Alles ok.&#8217; und geht wieder. Hier gibt es das nicht. Du überlegst es dir zehnmal, bevor du zum Arzt gehst. Die Wartezeiten sind lang. Wenn du hypochondrisch bist, dann ist das furchtbar in Finnland.</p>
<p>Gibt es eine finnische Seele? Ich meine, Finnen sind kühler. Dass du in einem Laden mit Leuten kommunizierst, die du nicht gut kennst, gibt es in Finnland nicht. Das kann man sich als Ausländer erlauben, aber die Finnen selbst kommunizieren nicht so frei, dass sie plötzlich miteinander zu reden beginnen. Wenn du mit dem Bus fährst und du sitzt auf der Fensterseite und willst hinaus, dann sagst du nichts. Du schaust nur irgendwie so leicht in die Richtung, in der der andere sitzt und der versteht sofort und steht auf. Wenn jemand Wildfremder mit dir zum Reden anfängt, dann ist er betrunken. Zu neunundneunzig Prozent kannst du in dem Fall davon ausgehen, dass der, der dich anspricht, Ausländer ist oder betrunken, weil das so eine Hürde überspringt.<br />
Es gibt auch eine irrsinnige Korrektheit. Wenn in meiner Verwandtschaft in Österreich irgendwer Arzt wäre, ruft man ihn an und der ruft jemanden an und dieser ruft den dritten an und dann hast du einen guten Platz irgendwo oder schnell einen Facharzttermin. Das gibt es hier nicht. Man stellt sich an. Genauso wie es in der Bäckerei und in der Bank, in der Bibliothek und beim Fleischregal im Supermarkt diese Nummern gibt, die du ziehst, so gibt es überall klare Wege und Reihenfolgen. Die hältst du einfach ein: Einer steht wo er will. Der zweite bildet schon eine Schlange. Der dritte merkt dann schon wo die Schlange ist und stellt sich dahinter an. Ich kann mich erinnern, in Österreich als Kind beim Schulbus – Österreich ist da traubenmäßig organisiert und in Finnland wird das sofort zur Linie.</p>
<p>Der Ausländeranteil in Finnland ist minimal. Ausländer leben fast nur in Südfinnland. Sonst ist es gleich wie in Österreich: Es gibt &#8216;gute&#8217; Ausländer, Österreicher zum Beispiel gehören zu dieser Gruppe. Wenn du ein &#8216;schlechter&#8217; Ausländer bist, wenn du zum Beispiel aus Estland, Russland oder aus Afrika kommst, dann geht es dir gleich wie wenn du in Österreich ein &#8216;schlechter&#8217; Ausländer bist. Letztens waren wir in Mittelfinnland, wo unser Wochenendhaus steht. Dort halten sich die Leute im Dorf einen Künstler, einen Deutschen, so als Maskottchen. Es gibt in den Dörfern scheinbar ein zwei Ausländer, so Kulturmenschen, das ist scheinbar üblich. Ich falle auch unter diese Kategorie, weil ich hier in Veikkola für die Dorfzeitung Zeichnungen und Cartoons mache.</p>
<p>Der ursprüngliche Name meiner Cartoons war &#8216;Great Artists In Closeup&#8217;. Ich bin davon ausgegangen, jemand bemüht sich etwas Kulturelles hervorzubringen und merkt dann, dass da überhaupt nichts daraus wird. Die Cartoons waren ein Ventil, eine Möglichkeit darüber nachzudenken, was da eigentlich passiert, was passieren könnte und was nicht passieren soll. In der Zeit, in der ich sie gezeichnet habe, waren Dinge, die passiert sind, nicht so tragisch, weil ich sie gleichzeitig immer auch als Thema für einen Cartoon gesehen habe. Du hängst nicht herum und denkst destruktiv, wie du das jetzt irgendwie lösen könntest, sondern allein schon das Problem, dass du ein Problem hast, kannst du zum Thema machen. Das war für mich unheimlich gut. Ein Instrument, um zu schauen was passiert. Und wenn ich mir die Cartoons jetzt wieder anschaue, kann ich mich natürlich erinnern, was passiert ist.</p>
<p>Wir haben uns 1989 in Griechenland kennen gelernt. Ich habe gedacht, ich möchte mit ihr zusammenleben, habe in Graz die Wohnung aufgegeben, bin nach Finnland gegangen. Dann, nach zwei Monaten, war es vorbei. Wir haben den Kontakt abgebrochen. Irgendwann hat sie mir noch geschrieben, dass sie geheiratet und den Mann ihres Lebens gefunden hat. Acht Jahre später, ich habe in Graz gelebt, vielleicht zwei, drei Monate vor meiner Diplomprüfung, kam dann ein Brief von ihr. Sie schrieb mir, dass sie bald in Frankfurt sei, und ob wir uns nicht treffen könnten, weil Frankfurt ja in der Nähe von Österreich ist. Ich habe gedacht, na Wahnsinn, was will die jetzt. Dann hab ich ihr zurück geschrieben, dass ich zufällig um die Zeit in Weimar bin und wir uns treffen können. Was jetzt kommt, ist ein gutes Beispiel für eine finnische Strategie: Wir haben uns acht Jahre nicht gesehen. Dann haben wir einen Brief gewechselt in dem wir die technischen Details ausgemacht haben, wann und wo wir uns treffen. Dann treffen wir uns dort und ungefähr der zweite Satz, den sie sagt ist: Sie möchte jetzt mit mir leben.<br />
Einfach so. Ich finde, das beschreibt gut finnische Frauen. Einfach so, zack und jetzt. Einen Moment lang war das in mir in Frankfurt natürlich ein hin und her, es war ein Wahnsinn. Ich mein, das kann man nicht machen – sie hat sich ja getrennt, ganz lange vorher, und da denkst du dann, ok, was will sie jetzt. Sie sagt das also, und es geht nicht, dass du sagst: Aha schön, ja ok, ja gut, machen wir das so. Es ist einfach überhaupt nichts passiert. Ich bin wieder heim gefahren – das war noch meine Zeit ohne Handy – dann bin ich in Regensburg aus dem Zug gestiegen, hab versucht eine Telefonzelle zu finden, hab sie angerufen, und gesagt ok, ich fahre nach Graz und am nächsten Tag komme ich wieder nach Frankfurt. Da war dann der Abstand groß genug. Ich hab nachdenken können, wir haben beschlossen, wir versuchen es noch einmal. Unser Versuch ist jetzt im zehnten Jahr. Das war gut und das ist der Grund weshalb ich da bin. Sollte die Beziehung nicht funktionieren irgendwann, die Wahrscheinlichkeit, dass ich in Finnland bliebe, wäre gering.</p>
<p>Aufgezeichnet, redigiert und arrangiert von <a href="mailto:wh@castyourart.com">Wolfgang Haas</a> (KA21). © Wolfgang Haas, Franz Raschbacher 2007</p>
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		<title>Nina Ergin</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jul 2007 06:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wolfgang Haas]]></category>

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		<description><![CDATA[geboren in Graz lebt in Istanbul Kunsthistorikerin Ich hatte nie vor wegzuziehen, meine Familie und Freunde waren in Graz, mein damaliger Freunde auch. Ich hatte nicht einmal das Bedürfnis nach Wien zu ziehen, ich war ganz daheim. Mit dreiundzwanzig bin ich mit einem Austauschprogramm nach Minnesota gegangen. Die Universität dort hat mir gefallen. Was soll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>geboren in Graz<br />
lebt in Istanbul<br />
Kunsthistorikerin</p>
<p>Ich hatte nie vor wegzuziehen, meine Familie und Freunde waren in Graz, mein damaliger Freunde auch. Ich hatte nicht einmal das Bedürfnis nach Wien zu ziehen, ich war ganz daheim. Mit dreiundzwanzig bin ich mit einem Austauschprogramm nach Minnesota gegangen.<br />
<a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-3.jpg' title='foto-3.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-3.thumbnail.jpg' alt='foto-3.jpg' /></a><br />
Die Universität dort hat mir gefallen. Was soll ich da über die Karl-Franzens Universität sagen? Am Kunstgeschichteinstitut waren wir zu viele Studenten, die meisten davon weiblich. Viele studierten ohne Plan und Ziel. Die Professoren haben uns dementsprechend behandelt: &#8216;Jaja, wir wissen, du heiratest sowieso später einmal einen Doktor und bis dahin geben wir dir halt noch ein bisserl ein Wissen mit.&#8217; Die Professoren waren alle männlich und je weiter es in der Hierarchie nach unten ging, desto eher waren die Stellen von Frauen besetzt. In den USA haben sich die Professoren persönlich gekümmert und auf unsere Ansichten Wert gelegt. Das hat mir gefallen. Nach dem Austauschjahr war ich noch ein Jahr in Graz. Aber ich war eigentlich unglücklich. Ich hab noch schnell den Magister fertig gemacht und ein Übersetzerzertifikat und bin dann zurück. Seit damals habe ich mich in Graz nicht mehr zu Hause gefühlt.<br />
<a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-2.jpg' title='foto-2.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-2.thumbnail.jpg' alt='foto-2.jpg' /></a><br />
In Minneapolis habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Murat ist Türke, er hat dort Soziologie studiert. 2001 bin ich in die Türkei, um für meine Doktorarbeit zu recherchieren. So sehr ich nach Österreich mit meinem Herzen in Minneapolis war, so sehr hat es mich dann nach Istanbul gezogen. Ich konnte mir immer weniger vorstellen, wieder weg zu gehen.<br />
Murat, der Türke, war in den USA. Ich, die Österreicherin, in der Türkei. Eine interessante Konstellation. Einige Jahre war das ein ziemliches Hin und Her. Er ist teilweise zurück gekommen für seine Doktorarbeit und seinen Militärdienst. Ich hatte einen Job an der Bilgi Universität, am Geschichte Institut. Wir sind danach nochmals für ein Jahr in die USA, weil ich eine Professur bekommen habe. Aber sowohl ich als auch mein Mann hatten Heimweh und nach dem 11. September ist dort alles schwieriger geworden. Auf der einen Seite wollen die Amerikaner jetzt mehr über islamische Kultur lernen und stellen deshalb Professoren an, die sich damit beschäftigen. Auf der anderen Seite versauern sie einem mit Visaproblemen das Leben. Das ist zweischneidig.<br />
<a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/heirat.jpg' title='heirat.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/heirat.thumbnail.jpg' alt='heirat.jpg' /></a><br />
Im Sommer 2005, kurz nach unserer Heirat in Las Vegas, sind wir wieder zurück nach Istanbul. Seither kann ich mir nicht mehr vorstellen, woanders zu leben. Wir sind beide an der Koç University beschäftigt, einer Privatuni nach amerikanischem Vorbild. Das ist hier eine amerikanische Enklave in einem türkischen Umfeld. Amerikanisch ist, dass alles auf eine sehr professionelle Art und Weise funktioniert. Studenten werden mit Respekt behandelt, es ist durchsichtig, wie Entscheidungen getroffen werden. Das türkische Umfeld erscheint aus österreichischer Perspektive vielleicht chaotisch. Aber wo man in Österreich an Regeln stößt, und die Leute sagen, das geht nicht, findet man hier immer einen Weg – oft über die Menschlichkeit. Es herrscht auch ein anderes Zeitempfinden. Man bleibt häufig im Verkehr stecken und ist halt zu spät dran. Das muss man einfach lockerer nehmen. </p>
<p>Von außen betrachtet schaut die Gesellschaft männerdominiert aus. Aber es kommt sehr auf die Schicht an und auch auf den Stadtteil. In traditionelleren Vierteln sieht man kaum Frauen und in den Kaffeehäusern dort sitzen nur Männer. Aber so ein Umfeld ist nicht nur negativ: In traditionellen Familien wird von Frauen nicht erwartet, dass sie arbeiten gehen. Auf indirekte Weise haben sie große Macht, denn es ist üblich, dass die Frauen diejenigen sind, denen die Wohnung gehört. Sie haben kein Einkommen, aber sie haben Besitz. Traditionelle Ehen beruhen vielleicht weniger auf Liebe, sondern werden oft als wirtschaftliche Union angesehen. Es ist eine andere Art der Partnerschaft, und wenn man sich die Scheidungsraten in Ländern anschaut, in denen die Liebesheirat die Norm geworden ist, was soll man dann sagen. </p>
<p>In sozial höheren Schichten haben Frauen den gleichen Zugang zu Jobs wie Männer, besonders an den Unis. Im Vergleich schneidet Österreich da schlecht ab. Das ist teilweise so, weil in Österreich von Frauen immer noch erwartet wird, dass sie trotz Beruf den Haushalt allein machen. Es liegt aber auch daran, dass es in der Türkei so viele billige Arbeitskräfte gibt, dass man sich eine Putzfrau, ein Kindermädchen leisten kann. Man kann diese Situation positiv oder negativ sehen. Frauen in gehobenen Positionen können ihre Jobs auf dem Rücken der – sozial schlechter gestellten –Frauen machen, die putzen, kochen und auf die Kinder schauen. </p>
<p>Murat, ich und unsere zwei Katzen wohnen in einer Dreizimmerwohnung am Universitätscampus. Der Campus liegt außerhalb der Stadt, auf der europäischen Seite, ganz im Norden am Bosporus. Unser Campus hat einen Zaun rundum und es gibt Sicherheitsbeamte. Das war für mich anfangs recht hart zu schlucken. Gehen wir aus dem Campus heraus, etwa an den Bosporus, gibt es da einen kleinen, relativ traditionellen Ort, Sariyer, der mittlerweile auch in Istanbul integriert ist, das seine Arme wie ein Octopus ausstreckt.<br />
<a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-1.jpg' title='foto-1.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-1.thumbnail.jpg' alt='foto-1.jpg' /></a><br />
Unser soziales Umfeld ist durch die Uni, unsere Freunde und Murats Familie geprägt. Das ist keine wohlhabende Familie, sondern sie sind recht einfache Menschen mit einer richtigen Bauernschläue. Mit meiner Schwiegermutter habe ich großes Glück. Sie mischt sich nicht ein in unser Leben und akzeptiert mich so wie ich bin. Es hat aber auch lange gedauert, bis Murat seiner Familie gesagt hat, dass er eine nicht-türkische Freundin hat, und bis er mich dann vorgestellt hat. In der türkischen Gesellschaft stehen Kinder unter starkem Druck, die Erwartungen der Eltern zu erfüllen und Respekt für die Elterngeneration zu zeigen. Ich bewundere die Eltern von Murat, wie sie mit geringen Mitteln drei Kinder so großgezogen haben, dass zwei es geschafft haben, an Eliteuniversitäten zugelassen zu werden – auch ohne Vorbereitung an einer Privatschule. Und ich finde, sie haben sehr anständige und liebevolle Menschen großgezogen.<br />
<a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-5.jpg' title='foto-5.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/foto-5.thumbnail.jpg' alt='foto-5.jpg' /></a><br />
Mit Graz, muss ich leider sagen, assoziiere ich inzwischen eine gewisse Langeweile. In der Stadt sperren die Cafes zu einer Zeit zu, wo in der Türkei das Leben auf der Straße noch nicht einmal richtig angefangen hat. Zum Teil langweilt mich auch die Gedankenwelt der Leute ein bisserl. Spricht man über andere Kulturen, stößt man auf wenig echtes Interesse und kriegt so Plattitüden zurück wie &#8216;Ja, ja, das ist halt eine ganz andere Kultur&#8217; oder &#8216;Zuhause ist es doch am schönsten.&#8217; Für manche ist die Ruhe in Graz sicher wunderbar. Für mich allerdings ist das nichts. Je älter man wird, desto mehr findet man über das eigene Naturell heraus. Wenn man aus verschiedenen Kulturen Aspekte nehmen und so zusammenzustellen kann, dass man sich rundum wohl fühlt, dann ist das ideal. In meinem Leben ist das soziale Umfeld türkisch, das berufliche Umfeld die USA, und Österreichisches habe ich auch beibehalten – ein Auge auf die Lebensqualität zu werfen, Semmelknödel und Weihnachten.<br />
<a href='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/weihnachten.jpg' title='weihnachten.jpg'><img src='http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/weihnachten.thumbnail.jpg' alt='weihnachten.jpg' /></a></p>
<p>Aufgezeichnet, redigiert und arrangiert von <a href="mailto:wh@castyourart.com">Wolfgang Haas</a>. © Wolfgang Haas 2007 </p>
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		<title>Paulus M. Dreibholz</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jul 2007 12:21:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolfgang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wolfgang Haas]]></category>

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		<description><![CDATA[geboren in Graz lebt in London Grafikdesign, Typographie www.dreibholz.com Derzeit bin ich mit drei weiteren Designern in einem alten Teelagerhaus hier in Waterloo, im Süden der Themse. Wir haben eher so etwas wie ein Netzwerk aufgebaut als ein Studio. Jeder ist selbst verantwortlich. Jeder zahlt Miete. Aber wenn ein Projekt groß genug ist, dann schaut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>geboren in Graz<br />
lebt in London<br />
Grafikdesign, Typographie<br />
<a href="http://http://www.dreibholz.com" title="www.dreibholz.com" target="_blank">www.dreibholz.com</a></p>
<p>Derzeit bin ich mit drei weiteren Designern in einem alten Teelagerhaus hier in Waterloo, im Süden der Themse.<br />
<a href="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/snc11248.JPG" title="snc11248.JPG"><img src="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/snc11248.thumbnail.JPG" alt="snc11248.JPG" /></a><br />
Wir haben eher so etwas wie ein Netzwerk aufgebaut als ein Studio. Jeder ist selbst verantwortlich. Jeder zahlt Miete. Aber wenn ein Projekt groß genug ist, dann schaut man über seinen Monitor und sieht die Person, mit der man sehr kompetent gestalten und arbeiten kann. Wir sind hier vier Spezialisten im Motion Graphics- und Ausstellungs- aber auch Web- und Druckbereich, die am selben Strang ziehen.<br />
<a href="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/studio_05_small.jpg" title="Studio Team"><img src="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/studio_05_small.thumbnail.jpg" alt="Studio Team" /></a><br />
Um so eine Situation zu erreichen, muss man selber aktiv sein. Die Situation ist auch glücklich, denn manchmal trifft man die richtigen Leute einfach nicht. Aber ich glaube schon, dass sehr viel in kleinen Entscheidungen passiert, von denen man, wenn man sie trifft, noch keine Vorstellung hat, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.<br />
<a href="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/pmdreibholz_rgb.jpg" title="pmdreibholz_rgb.jpg"><img src="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/pmdreibholz_rgb.thumbnail.jpg" alt="pmdreibholz_rgb.jpg" /></a><br />
Ich bin in Graz geboren und habe die meiste Zeit meiner Jugend und die ersten drei Jahre Jura Studium dort verbracht. Im dritten Jahr habe ich bei meiner Mutter am Institut für Künstlerische Gestaltung an der Architekturfakultät in Graz Kurse belegt. Akt-Zeichnen und großflächige Malerei mit einfachen Farben, stark auf Meditation beruhend. Ich war immer der letzte, der das Studio verlassen hat. Mich hat das fasziniert. Nach drei Jahren bin ich drauf gekommen, dass ich mich mit mittelmäßigem Einsatz und mittelmäßigem Erfolg durch das Jura Studium geschlängelt habe, aber keine Leidenschaft dafür entwickeln konnte. Also bin ich in eine kreativere Richtung gegangen. 1998 habe ich mir am London College of Printing einen Grundkurs in künstlerischer Gestaltung organisiert und bin relativ blauäugig nach London gekommen.</p>
<p>Dieser Grundkurs war für mich Augen öffnend. Gestaltung wird in England so unterrichtet, dass man wahnsinnigen Freiraum erhält. In Wirklichkeit studiert man sich selbst. Man setzt eigene Prioritäten, man interpretiert Projekte und Phänomene nach eigenen Gesichtspunkten, man findet sein Interesse und hat auch den Freiraum, sein Interesse professionell zu entwickeln. Auf der anderen Seite kann dieser Freiraum für Leute, die ihr Interesse nicht finden, verwirrend und negativ beeinflussend sein.<br />
London ist eine Stadt, in der man wissen muss, warum man hier ist. Die ersten Jahre sind wahnsinnig aufregend. Es wird viel geboten und man nimmt einiges in Kauf. Aber mit der Zeit ist es eine Stadt, die einem sehr viel abverlangt. Sie frisst genau so viel an Energie, wie sie einem an Energie gibt. Und wenn man nicht mehr weiß, warum man hier ist, dann frisst sie hauptsächlich, anstatt dass sie gibt.</p>
<p>Im Anschluss an den Grundkurs habe ich im gleichen College das Bakkalaureat absolviert und danach einen Master-Kurs am Central St. Martins College for Art and Design, das Teil der University of the Arts London ist. Nach dem Masterstudium war ich naiv und arrogant genug, ein eigenes Studio zu gründen. Ich hab also nicht in Agenturen gearbeitet, sondern mich gleich selbständig gemacht.<br />
<a href="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/snc13984.JPG" title="snc13984.JPG"><img src="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/snc13984.thumbnail.JPG" alt="snc13984.JPG" /></a><br />
Das wurde nicht immer mit Lorbeeren gekrönt, wir sind auch durch härtere Zeiten gegangen. Aber es hat Gott sei Dank funktioniert und mich, über den Weg verschiedener anderer Arbeitsumgebungen und Studios, zu meinem derzeitigen Stand geführt. Meine Haupttätigkeit ist das Grafikdesign, mein Spezialgebiet die Typographie.</p>
<p>Welche Schrift Graz und welche London entspricht, darauf eine Antwort zu finden, ist schwierig. Aber Charakteristika, die die jeweilige Schrift haben müsste, kann ich schon nennen.<br />
<a href="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/img_1362.jpg" title="Typographie"><img src="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/img_1362.thumbnail.jpg" alt="Typographie" /></a><br />
Londons Schrift müsste sehr vielschichtig sein. Sie dürfte keine nette Schrift sein. Eine spannende Schrift, aber keine nette Schrift. Die Grazer Schrift, auf der anderen Seite, wäre vielleicht ein wenig gemütlicher, ein wenig angenehmer, aber mit durchaus sehr viel Flair. Die derzeit verwendete Schrift für die neuen Grazer Straßennamenschilder – die Schrift heißt Rotis – ist für mich so ziemlich die falscheste, die man für Graz verwenden kann. Diese Schrift ist derartig französisch angehaucht. Sie wird vor allem in Frankreich verwendet, unter anderem auch vom Renault Konzern &#8230; Einfach falsch, durch und durch falsch. Das tut mir natürlich weh, denn die Steiermark hat einen so starken, durchdringenden Charakter. Ich würde von mir zum Beispiel sagen, zunächst bin ich Europäer, dann bin ich Steirer und erst dann bin ich Österreicher. Ich empfinde also durchaus eine starke Verbundenheit. Es ist ein so schönes Land und eine Stadt mit so vielen Möglichkeiten. Das Forum Stadtpark, das hat ja Geschichte bitte. Die Camera Austria oder die Architektur, die in den Achtzigern und Neunzigern passiert ist. Diese Stadt hat so viel zu geben. Ich komme gerne nach Graz. Graz hat sich verändert. Es ist multikultureller geworden. Als ich weggegangen bin, hat es kaum Farbige gegeben und die gibt es jetzt durchaus. Für mich ist das sehr willkommen, mit allen Problemen, die das in der Einstellung der Leute bringt, ebenfalls dass wir uns mit dem EU Beitritt von Slowenien und bald auch Kroatien wieder stärker hinunter in den Süden orientieren können. Leider gibt es auch einiges, das mir negativ auffällt. Die Headlines, die Graz in letzter Zeit verursacht mit dieser absoluten Anmaßung, Arnold Schwarzenegger über die Medien kommunizieren zu müssen, was richtig und was falsch ist. Dann diese wahnsinnig lächerliche Kampagne gegenüber Punks am Hauptplatz. Das ist Kleinbürgerlichkeit schlechthin und ich kenne auch die Leute, die lange dagegen gekämpft haben. Die Zeitschrift Sterz zum Beispiel oder mein Vater, der auch in Graz gewirkt hat. Was da für Kämpfe passiert sind. Das ist so viel verlorene Energie, die da zwischen dieser Kleinbürgerlichkeit und den politischen Machtverhältnissen verdampft. Und dieses Froh-Sein im Jammern – ,ja gut, da kann man nichts machen‘. Aber Nein! Man kann schon was machen! Zurzeit fehlt mir ein bisschen der Anspruch, jetzt wirkt alles gerade ein bisschen verwaschen, aber es wäre noch immer eine starke Schrift für Graz. Eine Schrift mit Charakter und ein bisschen gemütlicher als die für London.<br />
<a href="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/citybridge.JPG" title="citybridge.JPG"><img src="http://blog.grazoutside.net/wp-content/uploads/2007/07/citybridge.thumbnail.JPG" alt="citybridge.JPG" /></a></p>
<p>Aufgezeichnet, redigiert und arrangiert von <a href="mailto:wh@castyourart.com">Wolfgang Haas</a>. © Wolfgang Haas 2007</p>
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		<title>GRAZOUTSIDE Weltkarte</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jun 2007 20:26:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>uli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastgeber]]></category>

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